SIM-Karten können bei einer Kompromittierung erhebliche Sicherheitsrisiken darstellen. Wie Forscher der Universität Birmingham aufdeckten, ermöglichen sie es Angreifern, Informationen über ein Gerät zu sammeln, dessen Konnektivität zu stören und mithilfe sogenannter AT-Befehle als Einstiegspunkt für weitere Cyberangriffe zu dienen.
Eine als „Proactive SIM“ bezeichnete Funktion erlaubt es einer SIM-Karte, eine begrenzte Anzahl spezieller Befehle direkt an das Modem eines Geräts zu senden. Einer dieser Befehle erlaubt es der SIM-Karte, die Ausführung von AT-Befehlen anzufordern.
Die Forscher untersuchten 26 Geräte, darunter 18 Smartphones und acht mobilfunkverbundene IoT-Module, die beispielsweise in Ladegeräten für Elektrofahrzeuge, Industrieanlagen und vernetzten Autos zum Einsatz kommen. Die untersuchten Geräte beschränkten sich nicht auf einen bestimmten Hersteller oder ein bestimmtes Betriebssystem.
Zu den Angriffen, die durch das Vorhandensein einer SIM-AT-Schnittstelle ermöglicht werden, gehören demnach:
- die Wiederaktivierung deaktivierter Debug-Schnittstellen,
- der Diebstahl sensibler Informationen wie der eindeutigen Kennung eines Geräts,
- das Versenden von Nachrichten oder das Initiieren von Anrufen.
- die Ausführung beliebiger Befehle auf dem Kommunikationsprozessor des Opfers,
- der Wechsel von einer sicheren 4G-Verbindung zu älteren und weniger sicheren 2G-Netzen,
- das Herunterfahren des Geräts des Opfers und
- die vollständige Deaktivierung der Mobilfunkkommunikation.
Das Forschungsteam hebt vier Angriffsszenarien hervor, die zu bösartigen oder kompromittierten SIM-Karten und eSIMs führen können und sich mit Beispielen aus realen Vorfällen untermauern lassen:
- Angreifer, die aus der Ferne Schwachstellen in der SIM-Software ausnutzen,
- Angreifer, die physisch vor Ort die SIM-Karte eines Opfers austauschen oder ein Hardware-Implantat installieren.
- kompromittierte Netzbetreiber, bei denen Funktionen zur Fernverwaltung von SIM-Karten missbraucht werden.
- Angreifer in der Lieferkette, die SIM-Karten während der Herstellung oder des Vertriebs manipulieren.
Die Forscher weisen darauf hin, dass die Risiken von SIM-basierten AT-Befehlen insbesondere für IoT-Geräte wie Industrieanlagen, Fahrzeugsysteme oder Router relevant sind. Diese sind oft stark abgeschottet und verfügen nur über eine begrenzte Anzahl offener Schnittstellen. Das Vorhandensein einer SIM-AT-Schnittstelle könnte daher als unvorhergesehener Angriffsvektor dienen, um das Gerät des Opfers weiter zu kompromittieren.
Die Studie geht auch auf das allgemeinere Risiko proaktiver SIM-Karten ein, die Geräte in Überwachungsinstrumente verwandeln können. Im Zuge der Vorbereitungen für die Veröffentlichung stellten die Forscher außerdem fest, dass eine bösartige SIM-Karte auf neueren Android-Geräten das Smartphone dazu zwingen kann, eine vom Angreifer kontrollierte Website ohne jegliche Interaktion des Nutzers zu öffnen – selbst wenn das Smartphone gesperrt ist. (jr)
