Renesas Electronics baut seine Automotive-Strategie in Richtung Software-defined Vehicles (SDV) aus und will sich vom klassischen Halbleiterlieferanten zum Anbieter integrierter Hard- und Softwareplattformen entwickeln. Die strategische Ausrichtung stellte das Unternehmen im Rahmen seines Capital Market Day 2026 vor. Im Mittelpunkt stehen zentrale Hochleistungsrechner, zonale E/E-Architekturen, Leistungselektronik sowie Softwareplattformen und Entwicklungswerkzeuge für künftige Fahrzeuggenerationen.
Nach Einschätzung von Renesas wird sich der Wandel hin zu softwaredefinierten Fahrzeugen in den kommenden Jahren deutlich beschleunigen. Bis 2030 sollen mehr als die Hälfte aller weltweit produzierten Neufahrzeuge auf SDV-Architekturen basieren. Für den Automotive-Halbleitermarkt erwartet das Unternehmen im Zeitraum von 2025 bis 2030 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von sieben bis acht Prozent.
Als wesentlichen Technologietreiber sieht Renesas den Übergang von verteilten Steuergerätearchitekturen zu zentralen Hochleistungsrechnern mit zonalen E/E-Architekturen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen durch KI-gestützte Fahrerassistenzsysteme, Over-the-Air-Updates und kontinuierlich erweiterbare Fahrzeugfunktionen. Daraus ergibt sich nach Ansicht des Unternehmens ein wachsender Bedarf an leistungsfähigen SoCs, Mikrocontrollern, Energieversorgungskomponenten und einer eng integrierten Softwareplattform.
Kern der SDV-Strategie sind die R-Car-SoCs für zentrales Computing sowie RH850- und ARM-basierte Mikrocontroller für Zonencontroller. Ergänzt wird das Portfolio durch Analog- und Power-Bausteine, Middleware, Frameworks, Referenzdesigns und Entwicklungswerkzeuge. Mit diesem Plattformansatz will Renesas Hard- und Software enger verzahnen und die Entwicklungszyklen von Fahrzeugherstellern verkürzen.
Zur Umsetzung der Strategie plant das Unternehmen in den kommenden drei bis fünf Jahren einen deutlichen Ausbau seiner Entwicklungsressourcen. Vorgesehen sind zusätzliche Entwicklungszentren, höhere Investitionen in Chipdesign, Verifikation und Systemvalidierung sowie der Ausbau der Softwareentwicklung. Darüber hinaus sollen weitere Referenzplattformen und Anwendungspakete für OEMs und Tier-1-Zulieferer entstehen.
Parallel erweitert Renesas sein Mikrocontroller-Portfolio. Neben den proprietären RH850-Familien investiert das Unternehmen verstärkt in ARM-basierte Architekturen und neue Prozessor-IP auf Basis von RISC-V. Der Fokus liegt dabei auf Anwendungen für Elektrofahrzeuge, zonale Architekturen und Software-defined Vehicles. Damit will Renesas insbesondere seine Marktposition bei internationalen und chinesischen Fahrzeugherstellern stärken.
Auch im Bereich zentraler Fahrzeugrechner sieht das Unternehmen eine wachsende Marktdurchdringung seiner R-Car-Plattform. Nach Unternehmensangaben befindet sich die aktuelle Generation bereits bei japanischen Automobilherstellern im Serieneinsatz. Für die nächste Plattformgeneration laufen Entwicklungsprojekte mit OEMs, Tier-1-Zulieferern und Softwarepartnern.
Über den Automobilbereich hinaus sieht Renesas weiteres Potenzial für seine Plattformen in der Robotik und bei Anwendungen der Physical AI. (oe)
