Das Interview mit Dr. Matthias Traub (im Bild rechts) und Jan Linnebacher (Bild links) von Vector (erschienen in Automobil Elektronik 4/2026) beschreibt den Wandel von Entwicklung und Validierung hin zu kontinuierlichen Prozessen über den gesamten Lebenszyklus eines Software-defined Vehicle (SDV). Validierung wird dabei nicht mehr als abschließende Phase verstanden, sondern beginnt bereits während der Implementierung und wird nach dem SOP durch Software- und OTA-Updates fortgeführt. „Software entwickelt sich von einer Komponente zum entscheidenden Faktor bei der Fahrzeugentwicklung. Dies führt zwangsläufig zu einer Veränderung der organisatorischen Rollen,“ so Dr. Matthias Traub, Geschäftsführer von Vector Informatik.
Ein zentraler Ansatz ist „Shift Left“: Tests werden in virtuelle Umgebungen, Software-in-the-Loop, virtuelle ECUs (vECUs) und direkt in die Entwicklungsumgebung verlagert. Dadurch können Entwickler Fehler früher erkennen, reproduzieren und ihre Ursachen gezielter eingrenzen. Die Interviewpartner nennen einen Fall aus der Bremsenentwicklung, bei dem ein Softwarefehler erst im HIL-Test erkannt wurde und rund 15 Wochen Entwicklungszeit kostete.
Virtualisierung, CI/CT und As-Code-Konzepte bilden die technologische Grundlage für reproduzierbare und automatisierte Tests. CANoe wurde daher entsprechend von einem Bus-Simulationswerkzeug zu einer Validierungsplattform weiterentwickelt, die sich in Entwicklungsprozesse integrieren und in Cloud- und Linux-Umgebungen einsetzen lässt.
Ein weiteres Thema, das die beiden adressieren, ist KI im Entwicklungsprozess. KI soll ihrer Meinung nach Entwickler und Testingenieure bei zeitaufwendigen Aufgaben unterstützen, etwa bei der Ableitung von Testfällen aus Anforderungen, der Analyse großer Log- und Messdatenmengen sowie der Testgenerierung. Agentische Workflows sollen repetitive Aufgaben zunehmend automatisieren. Die Bewertung und Freigabe der Ergebnisse bleibe jedoch beim Menschen, so Dr. Traub von Vector.
Als weitere Erfolgsfaktoren nennen die Interviewpartner offene Toolchains, modulare Architekturen und die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg. Ziel ist es, Fehler früher zu erkennen, Routinearbeit zu reduzieren und Geschwindigkeit, Qualität und Skalierbarkeit der Softwareentwicklung gleichzeitig zu verbessern. (oe)
Zum Interview (pdf, 5 Seiten)
