KI-Modelle können durch Alterung zur Wissensfalle werden

Aktuell werden bei Tech-Unternehmen viele Stellen mit Verweis auf den Einsatz von KI gestrichen. Eine Studie der Universität Passau und der US-amerikanischen Arizona State University mit dem Titel „Fading Memories: The Role of Machine Learning in Organizational Knowledge Depreciation“ zeigt, dass dies langfristig zu einem Wissensverlust im Unternehmen führen kann.

Ursächlich dafür ist ein sich selbst verstärkender Zyklus, in den Unternehmen geraten können.

KI übernimmt: Während KI-Systeme etwa die Qualitätsprüfung eines Herstellungsprozesses erledigen, nutzen Mitarbeitende das dafür relevante Fachwissen seltener, vergessen es oder verlassen das Unternehmen ganz.

Wissensverlust tritt ein: So gerät bestehendes menschliches Wissen verloren, während neue Angestellte entsprechendes Wissen nicht neu erwerben, wenn KI die Aufgaben übernommen hat.

KI-Modelle veralten: Alternde KI-Modelle müssen mithilfe neuer Trainingsdaten aktualisiert werden. Modellvariablen müssen auf Relevanz geprüft und Fehlprognosen des Modells fachlich beurteilt werden. Eine solche Aktualisierung erfordert menschliche Expertise, die aber zunehmend fehlt.

Dadurch können KI-Modelle mit der Zeit zur Wissensfalle werden. „Verlorenes menschliches Fachwissen kann die Qualität von KI-Modellen mit der Zeit beeinträchtigen – im schlimmsten Fall schleichend und unbemerkt“, warnt der Mitautor der Studie, Prof. Dr. Jin Gerlach, Wirtschaftsinformatiker an der Universität Passau. „Wenn Mitarbeitende Vorhersagen veralteter KI unkritisch übernehmen, kann das ihr eigenes Urteilsvermögen weiter untergraben und so zusätzlichen Wissensverlust begünstigen.“ In ihrer Studie unterstreichen die Autoren, dass ein langfristig erfolgreicher KI-Einsatz nur gelingt, wenn Unternehmen gleichzeitig menschliches Wissen bewahren.

Die Studie ist vor Kurzem in der Fachzeitschrift „Academy of Management Review“ erschienen. Es handelt sich um eine konzeptionelle Theoriestudie, die nicht auf neuen empirischen Daten basiert, sondern bestehende Erkenntnisse aus Organisationsforschung und Informatik zu einem neuen Modell verbindet. Dabei leiten die Autoren eine Prozesstheorie ab. Diese erklärt, wie und warum ein Phänomen – in diesem Fall der organisationale Wissensverlust durch KI – auftritt. (jr)

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