Studie: Fahrerassistenzsysteme werden häufig nicht verstanden

Ältere Nutzergruppen greifen überdurchschnittlich häufig auf ADAS-Funktionen zurück; ein erheblicher Anteil aktiviert diese Systeme bei nahezu jeder Fahrt. (© Bosch)

Gemeinsam mit der Boston Consulting Group (BCG) hat Bosch analysiert, weshalb Fahrerassistenzsysteme (ADAS) weiterhin zu den größten bislang nicht ausgeschöpften Ertragspotenzialen der Automobilindustrie zählen. Die Umfrage basiert auf Erkenntnissen von Tausenden verifizierten Nutzern in sieben globalen Märkten. Das Ergebnis ist eindeutig: Obwohl die ADAS-Technologie ausgereift ist, schöpfen die meisten OEMs nur einen Bruchteil ihres Potenzials aus. Die nächste Herausforderung? Monetarisierung. Bevor OEMs dieses Potenzial jedoch ausschöpfen können, müssen sie besser verstehen, was die Einführung und Nutzung von ADAS aus Verbrauchersicht behindert. Immerhin, über 55 Prozent der Verbraucher sind bereit, für ein Fahrzeug mit den neuesten ADAS-Funktionen einen Aufpreis zu zahlen, wie die aktuelle Umfrage ergab. Im Zentrum steht aber die These, dass technologische Leistungsfähigkeit allein nicht ausreicht, um Zahlungsbereitschaft und nachhaltige Nutzung zu sichern. Entscheidend sei vielmehr, Vertrauen aufzubauen, Kundenerlebnisse gezielt zu inszenieren, die tatsächliche Nutzung zu erhöhen und daraus tragfähige Monetarisierungsmodelle abzuleiten. Die Autoren zeigen auf, dass viele Kunden zwar grundsätzlich offen für erweiterte Assistenzfunktionen sind, deren Mehrwert im Alltag jedoch häufig nicht vollständig wahrnehmen oder verstehen. Eine geringe Transparenz über Funktionsumfang und Systemgrenzen führe zu Unsicherheit und reduzierter Nutzung.

Zugleich betonen die Autoren die Bedeutung eines positiven, emotional ansprechenden Nutzererlebnisses. Assistenzsysteme müssten nicht nur sicher und zuverlässig, sondern auch intuitiv bedienbar und im Fahrzeugkonzept nahtlos integriert sein. Nur wenn Fahrer den praktischen Nutzen regelmäßig erfahren, lasse sich die tatsächliche Aktivierungs- und Nutzungsrate steigern. Diese wiederum bilde die Grundlage für datenbasierte Optimierung und neue Geschäftsmodelle, etwa über Funktions-on-Demand oder softwarebasierte Upgrades. (oe)

Zur Studie (pdf, engl., 24 Seiten)