Der batterieelektrische Schwerlastverkehr in Europa kann durch automatisierte Batteriewechselsysteme entscheidend versorgt werden. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsprojekt „eHaul“ der Technischen Universität Berlin, dessen zweijährige Praxisphase nun abgeschlossen ist. In dem Projekt wurde erstmals in Europa eine vollautomatisierte Batteriewechselstation für schwere E-Lkw im Realbetrieb erprobt.
Kernbefund der Untersuchung ist, dass der Batteriewechsel bei in Europa zugelassenen E-Lkw zuverlässig und innerhalb weniger Minuten durchgeführt werden kann. Damit stellt das Verfahren eine funktionale Ergänzung zum Schnellladen dar, das im Schwerlastbereich hohe Ladeleistungen und längere Standzeiten erfordert. Zudem ist der Batteriewechsel weitgehend unabhängig vom lokalen Netzausbau und kann insbesondere an Autobahnen und Logistikstandorten Vorteile bieten.
Der Praxiseinsatz der Wechselstation startete Ende 2023 in Lübbenau im Spreewald und wurde nach dem ursprünglich geplanten Jahr um weitere zwölf Monate verlängert. In dieser Zeit sammelten die beteiligten Forschungsteams und Logistikunternehmen umfangreiche Betriebsdaten. Die Ergebnisse flossen bereits in das Nachfolgeprojekt „UniSwapHD“ ein, das die Weiterentwicklung des Systems sowie die Standardisierung von Batteriewechselkonzepten verfolgt. In diesem Rahmen wurde eine DIN-Spezifikation für Wechselbatterien angestoßen, deren Veröffentlichung für Anfang 2026 erwartet wird.
Aus den Erfahrungen der Testphase leitet die TU Berlin gemeinsam mit der ausgegründeten E·HAUL GmbH ein weiterentwickeltes Stationskonzept ab. Künftig soll der Batteriewechsel von unten erfolgen, was Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Fahrzeugkompatibilität verbessern soll. Ziel ist es, die Wechselzeit auf unter fünf Minuten zu reduzieren, ohne dass Fahrerinnen oder Fahrer das Fahrzeug verlassen müssen.
Langfristig sehen die Projektbeteiligten im Batteriewechsel eine Möglichkeit, den Markthochlauf elektrischer Lkw zu beschleunigen. Voraussetzung dafür sind skalierbare Infrastrukturen, ausreichende Investitionen sowie einheitliche Standards, um den Einsatz herstellerübergreifend zu ermöglichen. (oe)
