Donut Lab, bislang für seine Radnabenmotoren bekannt, hat in einem Video gemeldet, dass eine von dem Unternehmen angebotene Batterie die erste All-Solid-State-Batterie (ASSB) der Welt sei, die in einem aktuell bestellbaren Serienfahrzeug verbaut wird. Dabei handelt es sich um das Elektromotorrad TS PRO von Verge (ein Tochterunternehmen von Donut Lab), das eine Reichweite von 350 km bzw. 600 km bietet und dessen Auslieferung in der EU und den USA für das erste Quartal 2026 geplant ist. Damit wäre das Unternehmen deutlich früher in der Lage, ASS-Batterien in (kleinen) Stückzahlen zu liefern als Branchengrößen wie CATL, die eine Kleinserien- bzw. Pilot-Produkten von Festkörperbatterien erst ab 2027 und die massentaugliche Serienproduktion für etwa 2030 erwarten.
Auch die Volkswagen Group kann vorerst nur ein Motorrad als Technologieträger und Testfahrzeug für die Feststoffbatterie des Partners QuantumScape vorweisen, an dem die Wolfsburger einen Anteil von 17 % halten.

Die Ducati V21L dient als Technologieträger für den Test der QuantumScape Feststoffbatterie. © Ducati/Volkswagen Group
Wann die auf der IAA 2025 gezeigte und mit einer Feststoffbatterie (bis zu 980 QSE-5-Zellen mit einer Energiedichte von 301 Wh/kg) ausgestattete Ducati V21L in Serie gehen soll, ist noch nicht bekannt. Bislang wurde im Rahmen der IAA zunächst die Entwicklung eines renntauglichen Motorrads für Tests auf der Rennstrecke als nächster Schritt angekündigt. Laut der Pressemitteilung zur IAA arbeiten PowerCo und QuantumScape parallel an der Integration der Feststofftechnologie in die PowerCo-Einheitszelle und damit ins Auto. Das Ziel ist die Entwicklung einer marktfähigen Lösung bis zum Ende des Jahrzehnts.
Das finnische Unternehmen ist da nicht nur schneller beim Markteintritt, sondern behauptet auch, etwas erreicht zu haben, was sonst niemand geschafft hat: Einen Festkörper-Akku, der alle Eigenschaften vereint, die die Branche bisher gegeneinander abwägen musste und die sich zum Teil widersprachen: Hohe Energiedichte (400 Wh/kg), Schnellladefähigkeit (in unter 10 Minuten von 0 auf 100 %) und zugleich billiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien.
Darüber hinaus nimmt das Unternehmen für sich in Anspruch, dass diese Energiespeicher sicherer sind als Lithium-Ionen-Batterien und sich für alle Anwendungen eignen, von Zweirädern über Autos und Trailer bis hin zu Drohnen, Robotik und Netzspeichern.
Erste Proof-of-Concept-Projekte gibt es auch schon im Automobil-Bereich: So hat WattEV eine Skateboard-Plattform mit Radnabenmotoren und einem 60-kWh-Speicher von Donut Lab aufgebaut, die OEMs als Basis für eigenen Entwicklungen angeboten wird.
Und als wäre das immer noch nicht genug: Die Batterie ist laut Herstellerangaben zu 100 % umweltfreundlich, da bei ihrer Herstellung keine seltenen Erden oder andere geopolitisch begrenzte Materialien zum Einsatz kommen.
Leider liefert das Unternehmen weder auf der Firmenwebseite noch im Video Informationen über den Aufbau der Batterietechnik oder darüber, wer sie entwickelt hat oder produziert. Detaillierte Leistungszahlen sind ebenfalls nicht zu finden.
Kein Wunder, dass sich im Internet viele skeptische Stimmen zu Wort melden. Diese Stimmen denken bei einer ASSB sofort an Batteriechemie, Elektrolyte und chemische Lade-/Endladeprozesse. Sie bezweifeln die Expertise von Donut Lab auf diesem Gebiet – und das zu Recht. Allerdings handelt es sich wohl bei der Donut-Batterie nicht um eine konventionelle, auf einer Redox-Reaktion basierende ASSB.
Einen Hinweis darauf, welche Technik sich hinter dieser Ankündigung verbirgt, liefert die Beteiligung von Donut Lab am finnischen Nanotech-Unternehmen Nordic Nano. Diese Tatsache und die Behauptung, dass die Batterie in fünf Minuten von 0 auf 100 % geladen werden kann, ohne dass es zu merklichen Alterungseffekten kommt, lassen auf eine Technik ähnlich der von Superkondensatoren schließen. Bei der Speicherlösung von Nordic Nano kommen allerdings laut Unternehmensangaben graphenähnliche, gedruckte Strukturen zum Einsatz.
Trotz der Kritiker und der dünnen öffentlich zugänglichen Informationen, hat das Unternehmen weitere Unterstützer gefunden: Nachdem das Unternehmen im Laufe des Jahres 2024 15 Mio. Euro einsammeln konnte, folgte Mitte des Jahres eine weitere Finanzierung in Höhe von 25 Mio. Euro.
Im Zusammenhang mit 25-Mio.-Runde wurde der Investors Risto Siilasmaa zum Mitglied des Verwaltungsrats ernannt, der zuvor als Vorsitzender von Nokia tätig war und mehrere Technologieunternehmen wie WithSecure und F-Secure gegründet hat.
Kommentar
Die Batterietechnik von Donat Lab hat großes Potenzial, wenn die Technik die im Rahmen der CES 2026 gemachten Versprechen einhält. Die öffentlich verfügbaren Informationen sind aber mehr als dünn.

Im besten Fall hat das Management sehr gute Trümpfe auf der Hand, mit denen es hoch pokert, ohne sich gleich in die Karten schauen zu lassen. Das wäre nachvollziehbar. Investoren wollen mittlerweile eine richtig große Story, wie das Beispiel KI zeigt.
Das können Kritiker dem Unternehmen nicht vorwerfen. Hier gleich Betrugsabsichten zu unterstellen, wie das manche Kritiker tun, ist zu diesem Zeitpunkt nicht gerechtfertigt. Im schlechtesten Fall geht dem Unternehmen das Geld aus, bevor die Technik nachweislich verfügbar ist und Umsätze generiert. Das passiert derzeit leider häufiger. Gebt dem Unternehmen eine Chance! Sollte sich die Technik durchsetzen können, wäre es ein großer Gewinn für die Gesellschaft, die EU, deren Autobauern und nicht zuletzt für die Umwelt. (jr)
