Quantencomputing in Deutschland: Whitepaper zeigt Handlungsbedarf

Das interaktive Netzwerk zeigt alle Organisationen in Deutschland, die Förderung im Themenbereich Quantencomputing aktuell erhalten.

Deutschland zählt in der Quantencomputing-Forschung international zur Spitzengruppe, droht bei der industriellen Umsetzung jedoch den Anschluss zu verlieren. Ein aktuelles Whitepaper des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI analysiert das deutsche Quantencomputing-Ökosystem und formuliert Empfehlungen für die Umsetzung der Hightech Agenda Deutschland.

Seit 2017 haben Bund und Länder mehr als zwei Milliarden Euro in Quantentechnologien investiert. Die bisher technologieoffene Förderung soll künftig stärker auf drei Plattformen konzentriert werden: Ionenfallen, Neutralatome und supraleitende Qubits. Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2030 zwei fehlerkorrigierte Quantencomputer auf europäischem Spitzenniveau zu entwickeln.

Die Analyse des Fraunhofer ISI basiert auf Publikations-, Projekt- und Patentdaten sowie Interviews mit Experten und zwölf deutschen Forschungskonsortien. Ergebnis: Deutschland verfügt über eine breite wissenschaftliche Basis und eine gut vernetzte Forschungslandschaft. Alle drei priorisierten Technologieansätze werden intensiv bearbeitet.

Die industrielle Nutzung befindet sich jedoch noch in einer frühen Phase. Zwar engagieren sich zunehmend Start-ups und Unternehmen, insbesondere bei supraleitenden Quantencomputern dominieren internationale Anbieter aus den USA mit hohen privaten Investitionen.

Das Fraunhofer ISI empfiehlt, Fördermittel künftig stärker auf Technologien zu konzentrieren, bei denen Deutschland wissenschaftlich und industriell gut positioniert ist. Neben der Hardwareentwicklung seien vor allem Transferstrukturen entscheidend: offene Testbeds, Standards, Ausbildungsangebote und eine engere Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie. Unternehmen sollten stärker in Forschungsprogramme eingebunden werden, etwa durch branchenspezifische Projekte und Kooperationsmodelle.

Ein wesentlicher Standortnachteil bleibt der Mangel an privaten Investitionen. Während in den USA und China große Technologiekonzerne und Venture-Capital-Investoren erhebliche Mittel bereitstellen, ist Deutschland weiterhin stark auf öffentliche Förderung angewiesen.

Für den langfristigen Aufbau einer wettbewerbsfähigen Quantenindustrie fordert das Whitepaper zudem Investitionen in Fachkräfte, Zulieferketten, Hochleistungsrechner-Infrastrukturen und regionale Innovationscluster. Auf europäischer Ebene empfehlen die Forschenden eine engere Abstimmung bei Technologieplattformen, Standards und Forschungsinfrastrukturen, um Kompetenzen zu bündeln und Doppelentwicklungen zu vermeiden.

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