Der chinesische Batteriekonzern CATL hat auf seinem „Super Technology Day“ in Peking eine Reihe neuer Technologien vorgestellt, die auf unterschiedliche Anforderungen der Elektromobilität abzielen. Im Fokus standen mehrere neue Batteriegenerationen sowie ein integrierter Ansatz aus Schnellladen und Batteriewechsel.
Schnellladen ohne Lebensdauerverlust
Mit der dritten Generation der Shenxing-Batterie adressiert CATL ein zentrales Problem moderner Lithium-Ionen-Systeme: den Zielkonflikt zwischen hoher Ladeleistung und Lebensdauer. Entscheidend ist dabei das Temperaturmanagement. Steigt die Zelltemperatur, beschleunigen sich unerwünschte Nebenreaktionen deutlich – ein Effekt, der die Alterung der Batterie maßgeblich beeinflusst. CATL setzt daher auf eine Kombination aus reduzierter Wärmeentwicklung, verbesserter Wärmeverteilung und präziser Steuerung. Nach Angaben des Unternehmens liegt die Restkapazität auch nach 1.000 vollständigen Ladezyklen noch über 90 Prozent.
Bei der Ladeleistung erreicht die neue Generation Werte, die bislang nur im Laborumfeld diskutiert wurden: Eine Ladung von 10 auf 80 Prozent soll in weniger als vier Minuten möglich sein, selbst unter extremen Bedingungen bleiben die Ladezeiten kurz. Auch bei Temperaturen von minus 30 °C lässt sich der Akku innerhalb weniger Minuten nahezu vollständig laden. Ergänzt wird das Konzept durch eine Kombination aus integrierter Selbstheizung und Infrastruktur für Schnellladen und Batteriewechsel.
Hohe Energiedichte für große Reichweiten
Ein weiterer Schwerpunkt der Entwicklung liegt auf der sogenannten Qilin Condensed Battery. Hier überträgt CATL Technologien aus der Luftfahrt auf den Automobilbereich. Mit einer Energiedichte von 350 Wh/kg auf Zellebene erreicht die Batterie neue Werte für Serienanwendungen. Das eröffnet erhebliche Reichweitenpotenziale: Für Limousinen nennt CATL bis zu 1.500 Kilometer, für große SUV mehr als 1.000 Kilometer. Möglich wird dies unter anderem durch eine Kombination aus hoch-nickelhaltiger Kathode und Silizium-Kohlenstoff-Anode. Auch das Gehäusekonzept wurde überarbeitet. Eine Titanlegierung aus dem Luftfahrtbereich reduziert Gewicht und Bauhöhe bei gleichzeitig höherer struktureller Festigkeit. Parallel setzt CATL auf ein modifiziertes Elektrolytsystem, das ohne klassische Flüssigkeiten auskommt („Condensed) und damit Sicherheitsrisiken wie Leckage oder Entflammbarkeit reduziert.
Integration von Laden und Batteriewechsel
Parallel treibt CATL die Verzahnung von Lade- und Wechselinfrastruktur voran. Vorgestellt wurde ein integriertes System, das Heimladen, öffentliches Schnellladen und Batteriewechsel in einer einheitlichen Architektur zusammenführt. Eine wichtige Rolle spielen dabei kombinierte Stationen, die sowohl als Wechselpunkt als auch als Hochleistungslade-Hub fungieren. Sie nutzen gemeinsame, kompakte Umspann- und Lademodule, wodurch Umwandlungsverluste reduziert werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Systemen sinken die Energieverluste laut CATL deutlich, während sich die Auslastung der Infrastruktur erhöht. In bestimmten Szenarien können die Batteriespeicher der Stationen direkt Energie an Ladepunkte abgeben, was die Effizienz weiter steigert. Auch wirtschaftlich zielt der Ansatz auf Vorteile: Die Kapazität pro Stellplatz soll deutlich steigen, während die Investitionskosten für Schnellladeeinheiten sinken.
Ausbau des Wechselnetzwerks
Im Zuge dessen erweitert CATL auch sein Batteriewechselsystem. Mit einer neuen Batterieplattform auf 800-Volt-Basis sollen künftig Fahrzeuge vom Kleinwagen- bis zum Mittelklasse-Segment abgedeckt werden. Damit wächst das System zu einer breiteren Fahrzeugbasis. Beim Netzausbau verfolgt CATL ambitionierte Ziele: Bis Ende 2026 sollen rund 4.000 kombinierte Lade- und Wechselstationen entstehen, verteilt über zahlreiche Städte und entlang zentraler Verkehrsachsen. Bereits heute ist ein wachsendes Netz in Betrieb, das weiter skaliert werden soll. (oe)
