Interview: „Eine Diagnose, die primär auf Komponenten schaut, reicht nicht mehr aus“

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Claudio Seitz von ETAS beleuchtet den grundlegenden Wandel der Fahrzeugdiagnose im Zeitalter softwaredefinierter Fahrzeuge. (© ETAS)

In einem Interview mit all-electronics erläutert Claudio Seitz, Solution Field Head Portfolio bei ETAS die Notwendigkeit einer neuen Diagnosemethodik für softwaredefinierte Fahrzeuge (SDV). Klassische Diagnosemethoden, die auf festen Fehlercodes (DTCs) und einzelnen Hardwarekomponenten basieren, stoßen bei hochvernetzten E/E-Architekturen an ihre Grenzen, so Seitz. Da Software nicht im klassischen Sinne „verschleißt“ und Fehler oft aus komplexen Systeminteraktionen resultieren, greifen traditionelle Ansätze zu kurz. Seitz erläutert einen neuen, datenbasierten und lebenszyklusübergreifenden Ansatz. Mithilfe künstlicher Intelligenz (unter anderem zur Onboard-Anomalieerkennung und zur Auswertung von Fehlernetzen) werden Ursachen über die gesamte Cloud- und Edge-Architektur hinweg priorisiert. Um Fehldiagnosen zu verhindern, setzt das Konzept auf einen „Human in the Loop“, bei dem Werkstatttechniker die maschinell generierten Hypothesen absichern. Ziel ist es, die First-Time-Fix-Rate zu steigern und einen unnötigen Tausch intakter Hardwareteile zu vermeiden.

Zudem ermöglicht die serviceorientierte Architektur (SOVD) einen Lebenszyklus-Ansatz mit verbesserten Over-the-Air-Updates und vorausschauender Wartung. Als Herausforderung stehen OEMs und Tier-1-Lieferanten jedoch vor der Aufgabe, so Seitz, fragmentierte Datenquellen sicher zusammenzuführen und komplexe KI-Systeme zuverlässig abzusichern, ohne die Prozesse im Service-Netzwerk zu überfordern. (oe)

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