Materialdaten-Zwilling als Wettbewerbsvorteil

Im BMFTR-Forschungsprojekt EDCar (Automotive End-of-Life Datenaustausch für Circular Economy) wurde eine Lösung entwickelt, wie Unternehmen in einer Automobil-Lieferkette durch den souveränen Austausch standardisierter Materialdaten schneller und fundierter entscheiden können. © Fraunhofer IWM

Das Forschungsprojekt EDCar hat gezeigt, wie Unternehmen durch Austausch von Materialdaten ihre Innovationsgeschwindigkeit im globalen Wettbewerb erhöhen können, ohne ihre Datensouveränität aufzugeben.

Im Zentrum des vom Fraunhofer IWM koordinierten Projekts stand die technische Verknüpfung der bislang getrennten Datenwelten der PMD-Materialdateninfrastruktur der BMFTR-Plattform MaterialDigital und des industriellen Datenraums Catena-X, der in der Automobilbranche genutzt wird.

In der PMD-Dateninfrastruktur werden Materialien mit relevanten technischen, ökologischen und ökonomischen Informationen in sogenannten Wissensgraphen digital dargestellt. Diese sind für die Akteure der Wertschöpfungskette standardisiert. Catena-X verbindet Hersteller (OEMs), Zulieferer, Händler und Recyclingbetriebe in einem dezentralen Netzwerk.

Durch die intelligente Kombination der beiden Systeme können nun Materialinformationen aus den Wissensgraphen (Single Source of Truth) der Unternehmen – etwa mechanische Eigenschaften, Rezyklat-Qualitäten oder Fahrzeug-Nutzungsdaten – unter voller Kontrolle des jeweiligen Datenbesitzers automatisiert zwischen den Unternehmen ausgetauscht werden.

Der Ansatz wurde an zwei Anwendungsfällen demonstriert: Im ersten Fall unterstützt ein datenbasiertes Assistenzsystem Recyclingunternehmen dabei, zu entscheiden, ob ein demontiertes Bauteil wiederverwendet, wiederaufbereitet oder recycelt werden sollte. Diese Entscheidung basiert auf tatsächlichen Zustands- und Nutzungsdaten statt auf Schätzungen. Im zweiten Fall fließen diese End-of-Life-Erkenntnisse automatisiert in die Entwicklungsabteilungen von Verarbeitern und Herstellern zurück. Dadurch ist es möglich, künftige Systeme von Beginn an kreislauffähiger zu konstruieren. Dieses Prinzip wird von den Projektpartnern als »Feedback to Design« bezeichnet.

Nachvollziehbare Materialdaten, wie sie im Rahmen des Projekts implementiert wurden, können darüber hinaus für den ab 2027 für viele Produkte vorgeschriebenen digitalen Produktpass genutzt werden. (jr)

Link zur Originalmeldung

Link zum Projektprofil