Die selbstfahrenden Autos von Waymo sind erheblich seltener in Unfälle verwickelt als von Menschen gesteuerte Fahrzeuge, zeigt eine neue des Insurance Institute for Highway Safety (IIHS)
Pro gefahrener Fahrzeugmeile (VMT) waren die in San Francisco, Phoenix, Los Angeles und Austin eingesetzten selbstfahrenden Fahrzeuge von Waymo an 68 % weniger Unfällen beteiligt als Fahrzeuge mit menschlichem Fahrer, wie die Forscher feststellten. Die Stichprobe beschränkte sich auf Unfälle, die eine Person in der Regel der Polizei melden würde.
Seit 2014 sind Unternehmen in Kalifornien verpflichtet, Unfälle zu melden, die Todesfälle, Verletzungen oder Sachschäden jeglicher Höhe zur Folge haben, wenn sie selbstfahrende Autos auf öffentlichen Straßen testen. Im Rahmen einer „Standing General Order“ (SGO) zur Unfallmeldung bei Vorfällen mit automatisierten Fahrsystemen führte die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) 2021 eine ähnliche Meldepflicht ein.
Zwar war die SGO-Datenbank in erster Linie dazu gedacht, Mängel zu erfassen und Rückrufe durchzusetzen, doch sie ist das einzige nationale Instrument zur Datenerhebung für Unfälle mit selbstfahrenden Fahrzeugen. Aus diesem Grund ist sie eine wichtige Quelle für die Sicherheitsforschung. Allerdings lassen sich weder anhand dieser Datenbank noch anhand der kalifornischen Datenbank die Unfallraten von Fahrzeugen der Stufe 4 leicht mit denen von menschlichen Fahrern vergleichen.
Unternehmen sind zwar verpflichtet, Unfälle zu melden, doch sie müssen weder die zurückgelegten Meilen angeben, noch Auskunft darüber geben, ob ein menschlicher Fahrer am Steuer saß. Während Waymo freiwillig Daten zu den mit autonomen Fahrzeugen zurückgelegten Meilen (VMT – Vehicle Miles Traveled) zur Verfügung stellt, tun dies andere Unternehmen nicht. Daher lässt sich nicht feststellen, wie häufig es zu Unfällen mit ihren Fahrzeugen kommt.
Selbst mit den von Waymo bereitgestellten Fahrleistungsdaten ist laut den IIHS-Forschern ein direkter Vergleich mit den Unfallraten menschlicher Fahrer unmöglich, da zeitaufwändige Berechnungen erforderlich sind, um die Unterschiede zwischen den von der SGO geforderten Meldungen und den Meldungen menschlicher Fahrer zu berücksichtigen.
Menschliche Fahrer sind in der Regel nur verpflichtet, Unfälle, die zu einer Verletzung oder einem Sachschaden von mehr als 1.000 US-Dollar führen, der Polizei zu melden. Dabei variiert die Schadensschwelle je nach Bundesstaat. Zudem entscheiden sich viele Fahrer dafür, Unfälle, die die Meldegrenze erreichen, nicht zu melden, um eine Erhöhung ihrer Versicherungsprämien zu vermeiden oder aus anderen Gründen. Etwa die Hälfte aller Unfälle und ein Drittel der Unfälle mit Verletzten werden nicht gemeldet.
Im Gegensatz dazu waren Unternehmen für selbstfahrende Fahrzeuge bis zu einer im Jahr 2025 in Kraft getretenen Änderung der SGO dazu verpflichtet, auch kleinere Vorfälle als Unfälle zu protokollieren. Ein Fahrzeug, das beispielsweise beim Einbiegen auf einen Parkplatz den Unterboden schrammt, würde als Unfall gewertet werden.
Obwohl die Schwellenwerte für Sachschäden nun besser aufeinander abgestimmt sind, melden Unternehmen aufgrund der geschäftlichen Risiken, die mit der Nichteinhaltung der Vorschriften verbunden sind, nach wie vor mit größerer Wahrscheinlichkeit alle meldepflichtigen Unfälle als Privatpersonen. Zudem können die teuren Sensoren fahrerloser Fahrzeuge bereits bei leichten Zusammenstößen beschädigt werden, wodurch ihre Unfälle mit höherer Wahrscheinlichkeit den Schadensschwellenwert überschreiten.
Um die Unfallraten realistisch vergleichen zu können, haben die Forscher des IIHS die Daten aus den Unfallberichten bereinigen, die Cruise, Waymo, Zoox und andere von 2021 bis 2024 bei der NHTSA eingereicht hatten.
Auf dieser Zahlenbasis schätzten sie, dass nur etwa 22 % der 736 Unfälle auf öffentlichen Straßen, bei denen die Automatisierung aktiv war, polizeimeldungspflichtig waren: 89 Unfälle mit Waymo-Fahrzeugen, 50 mit Cruise-Fahrzeugen, 10 mit Zoox-Fahrzeugen und ebenfalls 10 mit Fahrzeugen anderer Unternehmen. Da nur für Waymo Fahrleistungsdaten vorlagen, wurden dessen Unfälle zur Berechnung der Unfallraten für selbstfahrende Fahrzeuge verwendet. Von den 89 polizeimeldungspflichtigen Unfällen von Waymo ereigneten sich 64 im fahrerlosen Betrieb, während die übrigen den überwachten Einsatz der Automatisierung betrafen.
Waymo-Fahrzeuge legten im fahrerlosen Betrieb etwa 50 Millionen Meilen zurück, während Menschen im gleichen Zeitraum und an den gleichen Orten rund 222 Milliarden Meilen zurücklegten. Insgesamt war die Unfallbeteiligungsrate von Waymo 68 % niedriger als die von menschlichen Fahrern – 76 % niedriger in Phoenix, 35 % niedriger in San Francisco, 71 % niedriger in Los Angeles und 4 % höher in Austin, wo die Stichprobengröße relativ klein war. Waymo-Fahrzeuge waren 85 % weniger häufig in Alleinunfällen und 81 % weniger häufig in Unfällen mit Personenschaden pro gefahrenem Kilometer beteiligt als Menschen. (jr)
