Die Ende 2025 abgeschlossene Umfrage zeigt, dass viele deutsche Unternehmen ihre Neuausrichtung im Automobilbereich in Richtung Elektromobilität nicht nur bereits begonnen haben, sondern dass ein Großteil von ihnen damit schon sehr weit fortgeschritten ist: Über 20 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, bereits vollständig auf E-Mobilität ausgerichtet zu sein, und weitere knapp 40 Prozent berichteten von einem fortgeschrittenen Transformationsstatus. Diese Mehrheit der Unternehmen wird von den Forschenden als „Vorreiter” bezeichnet. Die übrigen Unternehmen sind die „Nachzügler“: Ungefähr jedes vierte Unternehmen hat bereits mit der Transformation begonnen, steht laut Selbsteinschätzung aber noch am Anfang. Jedes achte Unternehmen hat noch keine Neuausrichtung zur Elektromobilität vorgenommen.
Die Befragung liefert auch Einblicke in die technologischen Bereiche, in die die Unternehmen investieren – Verbrenner oder E-Antrieb. Insgesamt berichten über drei Viertel, dass sie in den letzten drei Jahren Innovationsaktivitäten durchgeführt haben. Der Schwerpunkt lag dabei auf Elektromobilität und Digitalisierung. Zugleich geben mehr als ein Drittel der Unternehmen an, Innovationsaktivitäten in der Verbrennertechnologie durchzuführen.
Die Unternehmen wurden auf Basis der Koalitionsvereinbarung der aktuellen Bundesregierung nach ihren Präferenzen für verschiedene politische Maßnahmen zur Unterstützung der Transformation hin zur Elektromobilität befragt. Bei der Verwendung knapper Mittel herrscht Einigkeit: Über 80 Prozent der befragten Unternehmen wünschen sich stärkere staatliche Investitionen in Bildung, Forschung und Innovationen. Ebenso sprachen sich 80 Prozent für geringere Strompreise aus – und zwar für alle, nicht nur für die Industrie.
Am wenigsten beliebt war hingegen die Lockerung der CO₂-Flottengrenzwerte: Rund drei Fünftel der Unternehmen stehen diesem Vorschlag skeptisch gegenüber. Zudem wünschen sich über 80 Prozent der Unternehmen die Einführung flankierender politischer Maßnahmen zur Unterstützung der Transformation der Automobilindustrie.
Das Forschungsteam hat die Umfrageergebnisse in einem Policy Brief veröffentlicht. In diesem werden die Befunde der Unternehmensbefragung in den aktuellen industrie- und klimapolitischen Kontext eingeordnet und Handlungsempfehlungen abgeleitet.
Eine Abschwächung der bestehenden Ausstiegsvorgaben würde vor allem jene Unternehmen benachteiligen, die bereits frühzeitig und umfangreich in Elektromobilität investiert haben. Anstelle häufiger Nachjustierungen empfehlen die Autorinnen und Autoren, den bestehenden Politik-Mix zu stabilisieren und gezielt zu ergänzen, beispielsweise durch Maßnahmen zur Stärkung der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen sowie durch verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen entlang der Wertschöpfungskette.
Das Strategiepapier entstand in Zusammenarbeit mit Forschenden der Universität Sussex, des Fraunhofer ISI, der Universität Oldenburg, des Deutschen Instituts für Entwicklung und Nachhaltigkeit (IDOS) und der Universität Wien.
Grundlage sind 74 Telefon- und Online-Interviews mit Führungskräften von Fahrzeugherstellern, Zulieferern sowie weiteren Unternehmen aus dem automobilen Ökosystem. Die Datenerhebung lief von August bis November 2025.
Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen sind Zulieferer und gut drei Viertel sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Etwa die Hälfte der Unternehmen hat ihren Hauptsitz in Baden-Württemberg. (jr)
