Wie lassen sich bestehende Nutzfahrzeuge automatisieren, ohne sie durch teure autonome Neufahrzeuge ersetzen zu müssen? Dieser Frage geht das Institut für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen University mit dem Projekt „Humanoider Chauffeur“ nach. Den humanoiden Roboter HAINZ stellte das Institut beim Aachen Automotive Colloquium vor. Der Ansatz richtet sich insbesondere an Spezialfahrzeuge wie Straßenreinigungsfahrzeuge oder Müllwagen. Deren Ersatzbeschaffung ist kostspielig. Ein humanoider Roboter könnte künftig vorhandene Fahrzeuge nachträglich automatisieren und zugleich dazu beitragen, die Folgen des zunehmenden Fachkräftemangels abzufedern.
Der Demonstrator übernimmt die Fahraufgabe derzeit in einem Lkw-Fahrsimulator. HAINZ sitzt dabei in einer speziellen Sitzkonstruktion und bedient das Lenkrad. Im weiteren Projektverlauf soll der Roboter lernen, ein reales Nutzfahrzeug auf einer Teststrecke zu steuern.
Technisch basiert das System auf dem Software-Framework „openADS“. Die menschenähnliche Gestalt eröffnet zudem Perspektiven für die Interaktion mit anderen Verkehrsteilnehmern, etwa über Gesten und Kopfbewegungen. Allerdings stellt der Einsatz als robotischer Fahrer hohe Anforderungen an Sensorik, Bewegungssteuerung und funktionale Sicherheit. Handelsübliche humanoide Roboter erfüllen diese Anforderungen nach Einschätzung des ika bislang nicht. Langfristig könnte die Technologie über das Fahren hinausreichen: Auch Tätigkeiten wie Be- und Entladen oder Arbeiten am Fahrzeug sind denkbare Einsatzfelder. (oe)
